| Dario Pizzano in der Anstaltskapelle |
"Autorenlesung in der JVA Kleve"
Wer unter den knapp dreißig Gästen eine Vorlesestunde erwartet hatte, wurde enttäuscht. Vielmehr erzählte Dario Pizzano aus seinem Leben und ließ kleine Textpassagen seinen Erzählungen folgen. Seine Geschichte ist eine von Trennungen, Verletzungen, Gewalt und Drogen – immer wieder Drogen. Scheidung der Eltern mit drei, erster Stiefvater drogensüchtig, der Zweite auch nicht besser.
Mit dreizehn Einzug in die eigene Wohnung über einem Ladenlokal des Vaters. Der Weg zum Alkohol ist nah. Manchmal trinkt Pizzano schon vor Schulbeginn.Später helfen Amphetamine bei noch stärkerem Alkoholkonsum nüchtern zu bleiben. Nebenwirkung ist Schlaflosigkeit. Aber Mitte zwanzig will er auch nicht schlafen. Schlaflos wird gefeiert und „Insomnia“ von Faithless zu seiner Hymne. Sein Hobby macht er zum Beruf. Er veranstaltet Partys und genießt sich im Rausch. Sein erstes Kind hält den rasenden Zug für einen Moment an. Es scheint, als würde seinem Leben ein Sinn gegeben.
Dann aber geht die Fahrt vor lauter Selbstzweifel und Unsicherheit weiter. Mit Koks zweifelt man nicht an sich. Damit ist man einfach der Größte. Sex, Drugs and Rock n’ Roll. Eine Frau macht ihm eine Ansage, hält ihm den Spiegel vor und schließt ihn ein. Kalter Entzug. Die Nüchternheit bringt Fragen mit sich, die sich mit all dem
Drogenkonsum bislang verdrängen ließen. Wer bin ich? Wo komme ich her? Was soll ich hier? Wo geh ich einmal hin? Was bleibt?
Pizzano
fängt das Sinnieren an. Buddhismus, Aristoteles oder Platon. Fragen bleiben
alle offen. Alkohol verdrängt die Dringlichkeit der Antworten auf die Fragen, die er innerlich
spürt. Pizzano arbeitet wieder in der Gastronomie. Der Laden brummt. Geld
fließt wie der Alkohol. Als er bei einem Krankenbesuch durch die Augen seines Großvaters in
den Tod schaut, geht ihm das Leben durch den Kopf. Auf der Rückfahrt geht es um Erwartungshaltungen an sich selbst, an sein Leben. Die Sinnfrage scheint ein Ende zu haben. Ein Endgültiges. Er würde diesem Leben ein Ende setzten. Und nun, da er dem Ende am nächsten scheint,
passiert Wunderbares. Er trifft Gott, der wie ein heller Blitz in ihn hineinfährt und ihn berührt. Zu Beginn ist es ihm alles etwas viel und der Umgang mit der Erkenntnis fällt ihm schwer. Erst mal musste er überhaupt prüfen, ob das Ganze nicht doch nur ein Flashback war. Die Drogen haben ihm die Zähne faulen lassen und wer weiß, was sie noch alles zerstört haben?
den Tod schaut, geht ihm das Leben durch den Kopf. Auf der Rückfahrt geht es um Erwartungshaltungen an sich selbst, an sein Leben. Die Sinnfrage scheint ein Ende zu haben. Ein Endgültiges. Er würde diesem Leben ein Ende setzten. Und nun, da er dem Ende am nächsten scheint,
passiert Wunderbares. Er trifft Gott, der wie ein heller Blitz in ihn hineinfährt und ihn berührt. Zu Beginn ist es ihm alles etwas viel und der Umgang mit der Erkenntnis fällt ihm schwer. Erst mal musste er überhaupt prüfen, ob das Ganze nicht doch nur ein Flashback war. Die Drogen haben ihm die Zähne faulen lassen und wer weiß, was sie noch alles zerstört haben?
Es scheint wie
eine Fügung, dass der Erste, dem er sich nach der Fahrt anvertraut, ein Priester ist. Er bekommt ein offenes Ohr geschenkt und kann diesem Mann in Emails sein Leben beichten. Dabei erfährt er Befreiung und Seelenfrieden. Sein Leben ändert sich. Er bricht mit allem. Er trennt sich von allem, was er hat, nimmt sich die Ruhe und die Zeit, um zu sich zu finden. Fast ein Jahr braucht er, um seine siebzehnjährige Orgie aufzuarbeiten. Es lohnt sich. Erfüllt vom Glauben spürt er kein Verlangen nach Drogen. Einem Gläschen Wein sagt er deswegen nicht ab, aber Alkohol ist kein Selbstzweck mehr.
Sein Lebensentwurf ist klar und hat
einen Sinn. Sein Stoff ist jetzt der Glaube, der ihm die Antworten auf die Lebensfragen nicht verdrängt sondern Antworten gibt. Rede und
Antwort stand Pizzano dann auch den Zuhörern, die teils nur zu gut verstanden,wovon er sprach.Teils bekamen sie schon vom Zuhören nasse Hände. Und ein offener Dialog entstand.
Pizzano traf den Nerv und auch die Sprache, um alle zu
erreichen. Heute ist Pizzano beruflich für die Kirche tätig, was er vielmehr als Berufung empfindet. Er will anderen mit seiner Geschichte ein Beispiel sein. Dabei macht er aber auch klar, dass jeder den Weg alleine gehen muss.
Für die JVA Kleve war es die erste Autorenlesung, wie es auch die erste Autorenlesung für Herrn Pizzano in einer Justizvollzugsanstalt war. Damals war es Glück, dass er nicht in Strafhaft geriet. Heute ist es sein Glaube, der ihn hinter hohe Mauern führt, um einen Ausblick zu geben.
(HL)
Für die JVA Kleve war es die erste Autorenlesung, wie es auch die erste Autorenlesung für Herrn Pizzano in einer Justizvollzugsanstalt war. Damals war es Glück, dass er nicht in Strafhaft geriet. Heute ist es sein Glaube, der ihn hinter hohe Mauern führt, um einen Ausblick zu geben.
(HL)
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