Freitag, 8. Juli 2011

Gastbeitrag für "Sende-Zeit"- Blog der Medienpastoral Erzbistum Freiburg

Papst Benedikt XVI.Mit Blick auf den Besuch von Papst Benedikt XVI. vom 22. bis zum 25. September in Deutschland haben wir katholische Bloggerinnen und Blogger eingeladen, einen Gastbeitrag zum Thema “Der Papst und ich” zu veröffentlichen. Es geht um Fragen wie: Wie stehe ich zum Papst, welche Erlebnisse und Erfahrungen verbinde ich mit ihm, welche päpstlichen Impulse und Stellungnahmen sind mir wichtig geworden? Aber auch: Welche Fragen bzw. Anfragen oder welche Wünsche habe ich an ihn? Heute schreibt Dario Pizzano.

Weißer Rauch steigt auf. Es ist der 19.04.2005. Spannung tropft durch die Luft. Die vielen Leute sind gespannt. Warten, drängeln und treten nervös von einer Stelle auf die andere. Jeder spürt: gleich wird Großes geschehen. Ich stehe inmitten dieser Leute, warte darauf, dass es losgeht. Erwartungsfrohe Augen blicken unisono und neugierig nach oben. Bald ist es soweit. Gleich werden wir wissen, ob das hier rockt. Die Nebelmaschine feuert in meinen Händen aus allen Lagen. Seit Jahren spiele ich den Eventzampano hier in der Stadt. Gleich kann die Party, der Event des Jahres losgehen!


Band? Party? Event? Hallo? Der 19.04.2005? War da nicht was? Papstwahl in Rom?! Ich dachte, hier geht’s um den Papst?! So ist es. Es soll hier um den Papst und mich gehen. Doch diese Papstwahl hat mein Umfeld und mich im Jahr 2005 noch herzlich wenig interessiert, so wenig wie die Klubfußballer das Frauenballett. Bis zum Jahr 2005 war für mich die katholische Kirche der Inbegriff für Intoleranz, Leibfeindlichkeit, Heuchelei und Alte-Oma-Mentalität. Wenn ich sie überhaupt wahrgenommen habe, diese Langweiler von vorvorgestern. Zum mich langweilen hatte ich aber keine Zeit! Ich war getauft und noch zur Erstkommunion, darauf folgte für sehr lange Zeit mein Abschied von dieser für mich so verknöcherten und staubtrockenen Rentner-Vereinigung. Meine Kathedralen, in denen ich dem Gott ‘Hedonos’ und seinem Sohn dem Alkohol auf ewig zu huldigen gedachte, waren die Bars und Clubs dieser meiner Generation. Gut, die Katholen also – jetzt haben sie einen neuen Häuptling. Who cares? Mach mal die Mucke lauter, Gaby! Dass nur wenige Monate später dieser weißhaarige Mann, den viele den „ Panzergeneral“ nannten, einer der wichtigsten in meinem Leben werden würde – das war für mich so weit weg wie der Meistertitel für den FC. St. Pauli. Unvorstellbar.


Es ist das Jahr der Papstwahl, das selbe Jahr 2005, an dem aus heiterem Himmel ein inneres Abenteuer für mich startet, an dessen Beginn eine Erfahrung stehen würde, die eben dieser deutsche Papst Benedikt XVI. nur einige Zeit später in seiner ersten Enzyklika „Deus Caritas est“ folgendermaßen theologisch formulieren würde: „Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluß oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt.“ So war es. Ein neuer Horizont eröffnete sich. Mir wurde neues Leben, ein neuer Weg geschenkt. Ich ließ zunächst alles stehen und liegen und wurde Christ. Plötzlich war ich mittendrin statt nur davor. Christ werden, das hieß für mich: Der lebendige Gott selbst trat in mein Leben ein und wurde mir Licht, Wahrheit und Weg. Es war im Jahr 2005, an dem ein neuer Geist, der Geist Gottes Einzug in mein Leben hielt. Dieser Geist ließ mich nach und nach erkennen, ja ganz tief verstehen, was Kirche wirklich ist, und eines, das darf ich heute bekennen, ist sie mit Sicherheit nicht: langweilig! Sie ist das wohl größte Abenteuer, an dem man teilhaben kann! Sie ist das sichtbare Voranschreiten des Auferstanden in der Geschichte, Weggemeinschaft derer, die zu Jesus Christus gefunden haben. Ja, um es frei nach Romano Guardini zu sagen: Ich entdeckte mehr und mehr, dass die Kirche seit über 2000 Jahren ein Geheimnis (der Auferstehung) feiert.


Ich begegnete in Papst Benedikt XVI. einem unerschütterlichen Garanten des Glaubens der Kirche und einem faszinierenden Theologen und Glaubenszeugen. Seine Theologie, seine Intellektualität, seine Bücher, Enzykliken und Interviews ließen ihn zu einem meiner größten Lehrer im neu begonnenen Theologiestudium, sowie meinem Leben insgesamt werden. Seine Theologie, sein gesamtes Denken, so weiß ich heute, gründet für ihn in einem Stehen vor Gott. Dieses Stehen ist jedoch nichts steifes, festgefahrenes, sondern immer auch ein Weg. Der Weg, den jeder einzelne zum lebendigen Gott zu finden hat. „Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt.“ Diesen Satz von Papst Benedikt XVI. höre ich immer wieder in meinen Ohren, wenn ich heute, im Licht des Glaubens erkennen darf, wie sehr Gott auch heute noch, auf unterschiedlichste Weise, Menschen an sich zieht. In wenigen Wochen führt der Weg des ersten deutschen Papstes nach 482 Jahren in sein Heimatland. Er kommt dann auch in das Bistum Erfurt. Die Vorfreude der Menschen hier im Osten Deutschlands ist greifbar, die Vorbereitungen laufen auf allen Ebenen In diesen Wochen darf also auch ich wieder, mit vielen anderen, ein Event organisieren. Das dieses Mal der Papst statt dem ‘Rex Richter Quintett’ auf der ‘Bühne’ (oder vielmehr: am Altar) begrüßt wird, das zeigt mir, das Gott wirklich Humor hat. Die Nebelmaschine lasse ich diesmal aber aus.



Dario PizzanoDario Pizzano, geb. 1974 in Göttingen, ist Buchautor, Theologe und Bildungsreferent. Er arbeitet heute in der Erwachsenenbildung und als missio-Diözesanreferent / Weltkirche für das Bistum Erfurt. Zudem ist er Autor christlicher Literatur. Zuletzt hat er in seiner Autobiographie „eXzess- Meine zwei Leben“, Pattloch Verlag , von seinem Weg zu Gott berichtet. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Sein Blog dariopizzano.blogspot.com informiert aus einem Alltag und seinen Erfahrungen mit Christus.Wenn Sie katholischer Blogger oder katholische Bloggerin sind und sich an der Serie “Der Papst und ich” beteiligen möchten, dann nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf: medienpastoral@seelsorgeamt-freiburg.de.
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