Freitag, 18. Mai 2012

Gedanken zum Wochenende

Die rechte Nachfolge kommt nicht dadurch zustande, 
dass gepredigt wird:
 Du sollst Gott nachfolgen; 
sondern dadurch, 
dass man davon predigt, 
was Gott für mich getan hat. 
Begreift und empfindet ein Mensch dies recht tief und wahr, 
wie unendlich viel es ist, 
so folgt schon die Nachfolge.

Sören Aabye Kierkegaard

Dienstag, 15. Mai 2012

Deus Caritas Est

 ,,Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm’’ (1 Joh 4, 16). In diesen Worten aus dem Ersten Johannesbrief ist die Mitte des christlichen Glaubens, das christliche Gottesbild und auch das daraus folgende Bild des Menschen und seines Weges in einzigartiger Klarheit ausgesprochen. Außerdem gibt uns Johannes in demselben Vers auch sozusagen eine Formel der christlichen Existenz: ,,Wir haben die Liebe erkannt, die Gott zu uns hat, und ihr geglaubt’’ (vgl. 4, 16).

Benedikt XVI.

Freitag, 11. Mai 2012

Gedanken zum Wochenende

Ein altes Lied

Du kennst alle meine Tricks.
Du überblickst alles.
Ob ich dasitze oder irgendwo rumrenne,
Du hast ein Auge drauf.
Du weißt, was ich denke, weißt es
schon tausend Meter gegen den Wind.
Ob ich momentan abhänge oder rummache –
Du hast mich voll auf dem Monitor.

Du kennst Dich in meiner Bio aus
wie in Deiner Westentasche!
Bevor ich den Mund aufmache,
ahnst Du längst, was ich sagen will.

Du bist 360 Grad um mich herum.
Ich lebe in der Kuhle Deiner warmen Hand.
Du hast die totale Peilung von mir –
es will mir nicht in den Kopf,
ich krieg das einfach nicht gecheckt!

Ich komme Dir nicht davon.
Du schaust noch in das letzte Loch,
in dem ich mich verkrieche.
Mach ich mich mit dem Flieger
nach Westen davon – Du bist da.

Hau ich nach Osten ab –
Du bist schneller! Bist schon dort,
um mich zu führen und zu leiten.
Und gehen bei mir einmal
alle Lichter aus – ich meine wirklich alle –
und sage ich: Gute Nacht! Ende! Aus! Ciao!
Leute, lasst mich allein in meiner Nacht!
So geht bei Dir
doch kein einziges Lämpchen aus.

Dunkelheit kann Dich nicht finster machen,
Alle Nächte können Dein Licht
nicht ausmachen.

Du allein hast mich gemacht –
meinen Körper, meine Seele –
ja, Du warst beteiligt,
als ich im Bauch meiner Mutter
langsam größer wurde.

Ich danke Dir dafür,
dass Du mit mir so etwas Originelles
in die Welt gebracht hast.
Fantastisch ist alles, was von Dir kommt.
Das habe ich schon kapiert!

Als ich noch im Uterus war
und nicht einmal meine Mutter mich kannte,
da kannten wir uns schon gut.
Als sich meine Fingerchen formten,
da schautest Du zu.
Du hast meinen Kalender schon geschrieben,
bevor ich den ersten Tag mit Leben begann.

Deine Pläne kriege ich nicht gerafft,
Deine Gedanken
sind eine Nummer zu groß für mich.
Du denkst Gedanken in endloser Folge –
wie Sterne am Himmel,
wie Sandkörner am Meer.
Da kommt keiner mit!

Schau her, Gott, auf mich,
ob ich wieder drauf und dran bin,
vor Dir die Biege zu machen.
Komm, pack mich,
hol mich zurück
auf den Weg ins Paradies!

(C) Dario Pizzano
aus dem Buch " eXzess-meine zwei Leben"

Montag, 7. Mai 2012

Bei Licht betrachtet

Erlöst ist, 
wer von der 
Liebe Gottes
 weiss.

                                                                   (C) Dario Pizzano

Mittwoch, 25. April 2012

Bei Licht betrachtet

Nackt 
kann die Wahrheit 
nur in Liebe 
angeschaut 
werden.

                                                                  (C) Dario Pizzano

Dienstag, 24. April 2012

Zitat der Woche

Unsere Leidenschaft stirbt oft deshalb, 
weil wir bereits alles 
zu wissen glauben, 
was es über Gott 
zu wissen gibt.

  Gloria Chisholm

Montag, 23. April 2012

Bei Licht betrachtet

Gott handelt. 
Aus Berührung wird Rührung. 
Auf Rührung folgt Führung. 
Aus Führung wird Gehorsam. 
Auf Gehorsam folgt Leben.

(C) Dario Pizzano

Mittwoch, 18. April 2012

Leidenschaft

Es interessiert mich nicht, womit du deinen Lebensunterhalt verdienst. Ich möchte wissen, wonach du innerlich schreist
und ob du zu träumen wagst, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen. 


Es interessiert mich nicht, wie alt du bist. Ich will wissen, ob du es riskierst, wie ein Narr auszusehen, um deiner Liebe willen, um deiner Träume willen und für das Abenteuer des Lebendigseins.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen. Ich will wissen, ob du den tiefsten Punkt deines eigenen Leids berührt hast,ob du geöffnet worden bist von all dem Verrat, oder ob du zusammengezogen und verschlossen bist aus Angst vor weiterer Qual.


Ich will wissen, ob du mit dem Schmerz dasitzen kannst,
ohne zu versuchen, ihn zu verbergen oder zu mindern oder ihn zu
beseitigen.


Ich will wissen, ob du mit Freude dasitzen kannst,
ob du mit Wildheit tanzen und dich von der Ekstase erfüllen lassen
kannst, von den Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen,
ohne dich zur Vorsicht zu gemahnen, zur Vernunft
und ohne die Grenzen des Menschseins zu bedenken.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die du erzählst, wahr
ist. Ich will wissen, ob du jemand enttäuschen kannst, um dir selbst treu zu sein.Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst.


Ich will wissen, ob du vertrauensvoll sein kannst und von daher
vertrauenswürdig.Ich will wissen, ob du mit dem Scheitern leben kannst und trotzdem am Rande des Sees stehen bleibst
und zu dem Silber des Mondes rufst: "Ja!"


Es interessiert mich nicht zu erfahren, wo du lebst und wie viel Geld
du hast.Ich will wissen, ob du in der Mitte des Feuers stehen wirst
und nicht zurückschreckst.Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit wem du gelernt hast.


Ich will wissen, was dich von innen hält, wenn sonst alles wegfällt...


Oriah, Indianischer Stammesältester

Samstag, 14. April 2012

Bei Licht betrachtet

Christ werden heißt: 
Kraft bekommen, 
das eigene Versagen
 nicht länger 
Überzeugung 
zu nennen.

Dario Pizzano

Donnerstag, 23. Februar 2012

Fastenzeit=Blogpause

Allen Freunden und Wegbegleitern eine gesegnete Fastenzeit.
 Ich werde mich für diese Zeit aus dem Internet zurückziehen. 
Herzlichen Gruss an alle.
Dario Pizzano

Donnerstag, 9. Februar 2012

Zitat der Woche

Der einzige Mensch, 
der sich vernünftig benimmt, 
ist mein Schneider. 
Er nimmt jedes Mal neu Maß, 
wenn er mich trifft, 
während alle anderen
immer die alten Maßstäbe anlegen
in der Meinung, 
sie passten auch heute noch.

 George Bernard Shaw
 
 
 

Donnerstag, 19. Januar 2012

Beitrag im YOU Magazin

Ein Partykönig begegnet Gott.

Interview mit Dario Pizzano.

Dario Pizzano, ein junger Musik- und Eventmanager in der Nähe von Göttingen, ließ nichts aus: Keine Party, keine Droge, kein erotisches Abenteuer, bis zu dem verrückten Tag, an dem er Gott begegnete. Unglaublicher Mann, unglaubliche Geschichte. Im Buch  “eXzess – Meine zwei Leben” erzählt er von seiner Begegnung mit Gott, seinem Leben davor und wie er seinen Alltag jetzt lebt.
Im Interview mit YOU! Magazin erzählt er noch ein paar spannende Details seines Lebens…

(c) Dario Pizzano
YOU!: Wie haben die Menschen, mit denen Sie im Leben etwas zu tun gehabt haben, auf das Buch reagiert?


Dario Pizzano: Grundsätzlich war es für alle erst einmal ein Schock. Denn auf einmal waren sie mit einer Wahrheit konfrontiert, die so gar nichts damit zu tun hatte, wie sie mich sonst so erlebt haben. Während sie mich immer nur als den strahlenden Sunnyboy erlebt haben, erfuhren sie nun, dass hinter der Fassade des strahlenden Lebemanns eigentlich ganz schlimme Ängste, Verzweiflung und solche Dinge waren. Meine Geschichte ist zugleich auch eine Anfrage an ihr eigenes Leben gewesen. Die meisten haben aber sehr positiv darauf reagiert, viele haben sogar auch ihrem Leben eine neue Richtung gegeben. Einige sind sogar Christen geworden, was natürlich das größte Geschenk überhaupt ist. Und meine Familie ist zum Großteil sehr gut damit zurecht gekommen. Wir haben heute ein unheimlich tolles Verhältnis.

YOU!: Warum glauben Sie, hat sich Gott gerade den Moment im Auto ausgesucht, um Sie mit seinem Heiligen Geist zu erfüllen? Warum nicht schon früher?


Dario Pizzano: Ich glaube, dass Gott bei allen Menschen immer wieder anklopft, auf ganz bestimmte Art und Weise, aber er kommt halt bei den Menschen oft nicht an. Er kann nur ankommen bei denen, die auch auf ihn warten. Es gibt ja diese wunderbare Stelle im Evangelium, wo Jesus sagt: „Siehe, ich stehe vor deiner Herzenstür, aber du musst mich einlassen“. Wir müssen diese Tür aufmachen, Jesus kann es nicht, weil er unsere Freiheit respektiert. Aber ich war so ein Pflegefall, dass ich einfach so eine Keule brauchte und diese Keule kam dann, als ich das erste Mal in meinem Leben, meinen Stolz und meine keine Ahnung was alles, aufgegeben und eine Bankkrotterklärung abgegeben habe: „Ich kann nicht mehr“. In der Gesellschaft wird es eher als gering geachtet, wenn man schwach ist und Hilfe annimmt, aber es ist genau umgekehrt, es ist ein Zeichen von Größe, wenn man bereit ist, Hilfe anzunehmen. Und das war der Moment, in dem Jesus gesagt hat: „Jetzt wo du nicht mehr kannst, da zeige ich dir mal, wer eigentlich der Chef des Ganzen ist.“

YOU!: Viele Menschen sind auf der Suche nach Gott. Aber nicht alle erleben Gott auf einmal so radikal. Diese Menschen fragen sich vielleicht auch, warum ihnen das nicht so passiert, wie Sie es im Buch beschreiben. Was würden Sie diesen Menschen auf den Weg geben?

Dario Pizzano: Es ist wirklich so, dass ich nichts hatte. Keinen Glauben, einfach nichts. Ich denke, dass das bei vielen anders ist. Sie sind sozusagen mit dem Zaubertrank aufgewachsen, sie haben bereits den Glauben, sie hatten immer so eine Art Grundvertrauen und Liebe von den Eltern bekommen und der liebe Gott war immer irgendwo da, nicht immer als solcher so klar, so lokalisierbar, aber doch immer da. Und wenn sie ihr Leben im Licht des Glaubens betrachten, werden sie das auch sehen.

Wichtig ist, dass sich solche Menschen auf den Weg machen zu den Menschen, die davon berichten, Erfahrungen gemacht zu haben. Der Glaube lebt vom Zeugnis: Die Gemeinschaft der Gläubigen und der Kirche. Wenn wir mehr wieder lernen über Gott zu sprechen, über unsere Erfahrung, die wir im Leben gemacht haben, dann werden wir erkennen, wie groß Gott eigentlich ist. Wie sehr er die Menschen schon auf unterschiedlichste Weise berührt und ihnen geholfen hat. Oder mal in der Bibel lesen, um nicht das zu erfahren, was andere über Gott sagen, sondern was Gott selber sagt. Wo kann ich das erfahren?- Indem ich zu Christus gehe.

YOU!: Wie kann man die Gottesbeziehung im Alltag aufrecht erhalten?

Dario Pizanno: Für mich ist es wichtig, dass ich mir im Alltag Raum nehme für Gott und in der Stille das Gespräch mit ihm suche, über Gebete und das Lesen in der Bibel. Wichtig ist auch das Gespräch mit anderen Gläubigen. Wenn du glauben willst, dann bist du auch immer auf den Glauben der anderen angewiesen, die dir gleichzeitig helfen neuen Mut und neue Kraft zu schöpfen. 

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass gute Bücher, die den richtigen Geist haben, unheimlich hilfreich sein können. Der ganze Alltag ist letztendlich Liturgie, Gottes Dienst an uns, wir stehen jeden Tag im Wissen auf, dass Gott da ist und wir vor seinen Augen wandeln und uns von ihm verwandeln lassen. 

Er ist nicht nur da, wenn ich mal in die Kirche gehe oder bete. Er ist immer da, ich kann ihm alles hinhalten, allen Schmerz, alle Freude- alles teilen, wie mit einem guten Freund. Dann macht man auch die Erfahrung, dass zwar nicht alles einfacher wird, aber alles schöner. weil man immer in Begleitung eines Liebenden ist, wie in einer Beziehung. Wenn ich mir z.B. eine Blume angucke, dann ist es immer schöner, wenn ich das mit jemanden tue, den ich liebe.

Mittwoch, 4. Januar 2012

Interview für Vaticanista.net

Zurück zum Ursprung ( Originalartikel hier)



Interview mit dem katholischen Publizisten Dario Pizzano

ERFURT, 2. Januar 2012 (Vaticanista).

Der Buchautor Dario Pizzano hat ein ausschweifendes und hungriges Leben geführt, bevor er im Jahr 2005 zum christlichen Glauben fand. „Mein Leben zuvor war eine ständige Suche nach dem Sinn des Lebens, gepaart mit einer panischen Angst vor dem Tod“, erinnert er sich heute. Andreas Breitkopf sprach mit ihm darüber, wie die Entdeckung oder Wiederentdeckung des Glaubens nicht nur den Einzelnen, sondern auch die ganze Kirche verwandeln kann.


Wie Papst Benedikt XVI. in der Ansprache zum Weihnachtsempfang der Römischen Kurie erneut betont hat, befindet wir uns in Europa in einer Krise. Er sagte, der Kern der Krise, der Kirche in Europa sei die Krise des Glaubens. Wenn wir auf sie keine Antwort finden, wenn Glaube nicht neu lebendig wird, tiefe Überzeugung und reale Kraft von der Begegnung mit Jesus Christus her, dann bleiben alle anderen Reformen wirkungslos“. Wie sehen Sie das?

Dario Pizzano: Das sehe ich genau so, ja. Ich glaube, das nicht äußere Reformen den Glauben hervorbringen, sondern umgekehrt, der Glaube oft eher dort ist, wo weniger von Reformen die Rede ist. Ich habe mich sehr gefreut, das der Heilige Vater für das neue Jahr 2012, das “Jahr des Glaubens” ausgerufen hat. Meine noch jungen Erfahrungen im kirchlichen Dienst, als auch im persönlichen Umfeld zeigen mir, das das Wissen um den Glauben häufig sehr gering ist. Wir müssen uns wieder neu bewusst machen, was der Glaube eigentlich ist. Eine lebendige Beziehung, ein Ja zu Jesus Christus, zum lebendigen Gott! Romano Guardini* hat gesagt: “Geborgenheit im letzten schenkt Gelassenheit im Vorletzten.” Der Glaube ist ein gemeinsamer Weg, der meinem Leben eine unverlierbare Hoffnung vor Augen stellt: Am Ende der Tage wartet nicht der Tod, sondern Gott auf mich! Das ist die sensationelle Botschaft, die Christus gebracht hat.


Dennoch können wir uns nicht auf eine reine Innerlichkeit zurückziehen…

Dario Pizzano: Natürlich muss der Glaube institutionell getragen sein, sonst verkommt er zu einer Weltflucht. Natürlich müssen wir uns Gedanken machen, wie wir strukturelle Probleme lösen. Dennoch ist doch die wichtigere Frage: Wo ist der Glaube, der Geist Gottes zu finden, wo sind die wahren Aufbrüche in der Kirche? Dort müssen wir hin, dort müssen wir mit Einrichtungen helfen, den Glauben zu stützen. Das verstehe ich unter einer wahren Reform: zurück zum Ursprung! Jeder einzelne sollte sich wieder neu auf den Weg zu Christus machen und sich neu von ihm re-formen lassen. Wenn ich in Christus Gott begegne, erfahre ich eine erlösende, mir geltende, ewige Liebe, die meinem Leben echte Freude und Weite schenkt. Davon ist mir in den aktuellen Diskussionen zu selten die Rede. Wer seine Liebe erfährt, seinen Frieden geschenkt bekommt, kann auch selbst beginnen zu lieben. Eine Gemeinschaft, die sich und den Nächsten liebt und den Frieden hervorbringt: Ich glaube, das ist die Kirche, die der Herr sucht.


Ein Buch von Ihnen, welches besonders fesselnd ist, trägt den Titel „eXzess: Meine zwei Leben“ und ist im Pattloch-Verlag erschienen. Wären Sie bereit, unseren Lesern etwas über Ihre „zwei Leben“ in Kurzform zu berichten? Wie oder was war genau das Zeichen, das Sie erhalten und das für Sie der Wink war, ein anderes Leben zu führen, ein Leben in festem Glauben und Treue?

Dario Pizzano: Ich bin erst seit sieben Jahren Christ, habe 30 Jahre ohne das Wissen um Gott in meinem Leben gelebt. Mein Leben zuvor war eine ständige Suche nach dem Sinn des Lebens, gepaart mit einer panischen Angst vor dem Tod. Gott in meinem früheren Leben nicht zu erkennen, bedeutete für mich an innerer Einsamkeit zu implodieren. Meine Süchte und Ängste fraßen mich geradezu auf. Es war der nackte Nihilismus in Reinkultur.

Erst als ich eine seelische Bankrotterklärung abgegeben hatte, als ich am Boden war, um Hilfe geschrien habe, konnte Gott eingreifen. Zeichen folgten dann viele. Das erste Zeichen war eine Art „innerer Ruf“, in Form einer allumfassenden Erkenntnis, Liebe, Wärme und Licht strömten in mich ein. Im Rückblick: eine personale Wirklichkeit, außerhalb dieser Wirklichkeit, die sich mir als Gott offenbart hat.

Das ganze einzuordnen, half der geistliche Begleiter, der mir von Gott zu Beginn an die Seite gestellt wurde, ein ehemaliger Priester und Mönch. In ihm bin ich einem Mann begegnet, der mir die Zusammenhänge der Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen erklärt hat. Ich lernte durch ihn, vor allem durch die Bibel, in Christus den lebendigen Gott kennen und gab ihm dann endgültig mein Leben. Seither ist tiefer Friede, Hoffnung und Liebe eingekehrt. Erst als ich Gott in Christus begegnet bin, wurde ich ein Mensch. Heute ist alles schöner geworden, wenn auch nicht einfacher.


Sie haben nicht nur den Glauben, sondern auch den Theologen Joseph Ratzinger/ Papst Benedikt XVI. für sich entdeckt. Wie war denn dann Ihre Reaktion auf seine Wahl?

Dario Pizzano: Das hat mich damals noch so interessiert, wie den Fußballer das Frauenballett, nämlich gar nicht. Ich habe zu diesem Zeitpunkt mit Kirche, dem Glauben, geschweige denn mit dem Papst nichts am Hut gehabt. Für mich war die Katholische Kirche der Inbegriff für Intoleranz, Frauenfeindlichkeit und Alter-Oma-Mentalität. Hätte man mir gesagt, das nur wenige Monate später, dieser Papst für mich einer der wichtigsten Lehrer auf meinem Lebensweg werden und ich im kirchlichen Dienst stehen würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Heute kenne ich fast alle seiner Bücher, Enzykliken und Predigten. Heute freue ich mich, im selben Jahr, in dem er zum Papst berufen wurde, Christ geworden zu sein.


Durch Ihr Wirken im Bistum Erfurt in der katholischen Erwachsenenbildung waren Sie sicher direkt dabei, als der Papst während seines Deutschlandbesuches im Jahr 2011 im Eichsfeld, der „katholischen Enklave“, zugegen war. Welche Eindrücke haben Sie während dieser Feier gewonnen?

Dario Pizzano: Für das Eichsfeld selbst war es ein großes, ein bewegendes Jahrtausend Ereignis. Eine unglaubliche Wertschätzung für all die vielen Menschen hier, die zwei Diktaturen trotzten und dem Glauben, der Kirche stets treu geblieben waren. Es war sehr bewegend, grundehrlich und herzlich. Über 90.000 Menschen aus der Region feierten und beteten gemeinsam mit dem Heiligen Vater eine Vesper in Etzelsbach. Alles verlief friedlich, harmonisch und froh.

Für mich persönlich war es ein weiterer Beweis dafür, das Gott Humor hat. Noch vor wenigen Jahren habe ich hier im Eichsfeld Disco-Parties und Livekonzerte veranstaltet, nun war ich mit in das kleine Vorbereitungsteam für das Vor-und Rahmenprogramm des Papstbesuchs hinein berufen. Ich habe also wieder das selbe getan wie früher, nur jetzt für einen anderen Chef. Das ist eben das Spannende an einer Entscheidung für Christus: Gott löscht nichts von der Persönlichkeit aus, er verwandelt nur alles und nutzt dann die Talente, Seine Heilsgeschichte weiterzuschreiben.


Welche Veröffentlichungen werden in nächster Zeit noch von Ihnen zu erwarten sein? Gibt es laufende Projekte, an denen Sie arbeiten und auf die sich der Leser freuen darf?

Dario Pizzano: Aktuell arbeite ich an einem neuen Buchprojekt, das in diesem Jahr erscheinen soll. Näheres kann ich dazu leider noch nicht sagen. Zudem schreibe ich immer mal auf Anfrage Kolumnen, Beiträge für Blogs, Bücher oder Zeitschriften. Das Schreiben macht mir Freude, habe ich doch erfahren, wie wertvoll es ist, seine Gedanken und Erfahrungen im Glauben mit anderen Menschen zu teilen.

* (Religionsphilosoph, 1885 bis 1968)

Dienstag, 27. Dezember 2011

Zitat der Woche

In der Stille
geschehen die großen Dinge
nicht im Lärm und Auwand

der äuseren Ereignisse
sondern in der Klarheit
des inneren Sehens,
in der leisen Bewegung
des Entscheidens,

im verborgenen Opfern
und Überwinden.

Die leisen Kräfte sind es,
die das Leben tragen.

Romano Guardini



Sonntag, 25. Dezember 2011

Gesegnete Weihnachten und ein gesundes neues Jahr 2012

Allen Lesern, Freunden und Wegbegleitern von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest.                                                                 

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Gedicht zur Weihnacht

Der Heiland

Immer wieder wird er Mensch geboren,
Spricht zu frommen, spricht zu tauben Ohren,
Kommt uns nah und geht uns neu verloren. 

Immer wieder muss er einsam ragen,
Aller Brüder Not und Sehnsucht tragen,
Immer wird er neu ans Kreuz geschlagen.

Immer wieder will sich Gott verkünden,
Will das Himmlische ins Tal der Sünden,
Will ins Fleisch der Geist, der ewige, münden. 

Immer wieder, auch in diesen Tagen,
Ist der Heiland unterwegs, zu segnen,
Unsern Ängsten, Tränen, Fragen, Klagen
Mit dem stillen Blicke zu begegnen,
Den wir doch nicht zu erwidern wagen,
Weil nur Kinderaugen ihn ertragen.

Hermann Hesse

Dienstag, 6. Dezember 2011

Gedicht der Woche

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.


Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Zitat der Woche

"Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen. 
Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt. Schick mir im rechten Augenblick jemand, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen. 
Ich möchte Dich und die anderen immer aussprechen lassen. Die Wahrheit sagt man nicht sich selbst, sie wird einem gesagt.Ich weiß, dass sich viele Probleme dadurch lösen, wenn man vertraut. 
Herr, gib, dass ich warten kann." 
Antoine de Saint-Exupéry

Vortrag am 07.12.2011 in Hannover an der KHG


Universität Hannover
Semesterthema: durchBRUCH

Die Mauer wurde überwunden?
Die Buhrufe sind vom Jubel abgelöst?
Die innere Blockade ist aufgelöst?
Es gibt viele Formen, wie Menschen Durchbrüche erleben: beruflich und biografisch, künstlerisch und politisch, im Studium und in der Beziehung. Dabei kann es zu den bitteren Erfahrungen des Lebens gehören, dass manches überhaupt erst durch Brüche wachsen kann. Manchmal muss Liebgewonnenes erst zu Bruch gehen, damit neue Perspektiven entdeckt werden können. Etwas, das zuvor unverrückbar und wie betoniert erschien, kommt in Bewegung. Manches muss erst verabschiedet werden.Doch dann: entsteht Neues! Dort, wo zuvor nichts möglich schien, wird Leben möglich, wider erwarten, im Durchbruch. 

07.12. Foyer: Dario Pizzano, Theologe, 
Buchautor von „Exzess - meine zwei Leben“
19:15 Uhr

Dienstag, 29. November 2011

Selbstliebe


Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen,
dass emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnung für mich sind,
gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich , das nennt man
“Authentisch-Sein”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden,
wie sehr es jemanden beschämt,
ihm meine Wünsche aufzuzwingen,
obwohl ich wusste, dass weder die Zeit reif,
noch der Mensch dazu bereit war,
auch wenn ich selbst dieser Mensch war.
Heute weiß, das nennt man
“Selbstachtung”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
mich nach einem anderen Leben zu sehnen,
und konnte sehen, dass alles um mich herum
eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man
“Reife”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden,
dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist
– von da konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich, das nennt sich
“Selbstachtung”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
mich meiner freien Zeit zu berauben
und ich habe aufgehört,
weiter grandiose Projekte
für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das,
was mir Spaß und Freude bereitet,
was ich liebe
und mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise
und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man
“Ehrlichkeit”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit
was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von allem, das mich immer wieder hinunterzog,
weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das “gesunden Egoismus”,
aber heute weiß ich, das ist

“Selbstliebe”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
immer recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt,
das nennt man “Einfach-Sein”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
da erkannte ich,
dass mich mein Denken
armselig und krank machen kann,
als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte,
bekam der Verstand einen wichtigen Partner,
diese Verbindung nenne ich heute
“Herzensweisheit”.

Wir brauchen uns nicht weiter
vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen
mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen
manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich,
das ist das Leben!

Charlie Caplin (1959)

Montag, 28. November 2011

Zitat der Woche

"In der Beurteilung anderer 
liegen wir meistens falsch. 
Das Tragische ist, 
dass wir unser Augenmerk darauf richten,
was jemand nicht ist, 
anstatt darauf, was er ist 
oder noch werden kann." 
B. Manning

Freitag, 25. November 2011

Bei Licht betrachtet

Wer nicht 
in die Stille 
geht, 
geht im Lärm 
unter.

(C) Dario Pizzano


Freitag, 18. November 2011

Bei Licht betrachtet

Das Vertrauen ist Grund 
unseres Lebens. 
Wo kein Vertrauen ist, 
hat das Leben 
keinen Grund.
 
(C) Dario Pizzano

Sonntag, 30. Oktober 2011

Lesetip zum November


Liebesbriefe an die Kirche - Das KATH.NET-Buch des Jahres 2011














 

Mitte November erscheint das vielleicht spannendste Buch des Jahres 2011 - Mit Beiträgen von Kardinal Koch, Bischof Overbeck, Bischof Küng, Bischof Müller, Bischof Hanke, Peter Seewald, Paul Badde, P. Karl Wallner, Gabriele Kuby, Dario Pizzano, Maite Kelly u.a


Rom-Wien-München (kath.net)


Liebesbriefe an die Kirche? Ja, es gibt sie auch im 3. Jahrtausend! Rund 40 eindrucksvolle Zeugnisse hat die größte deutschsprachige Internetzeitung KATH.NET ausgewählt und aus Anlass ihres zehnjährigen Bestehens im Herbst 2011 publiziert. Das Buch "Liebesbriefe an die Kirche" ist eine spannende Pflichtlektüre für jeden, der die katholische Kirche ganz neu erleben möchte.


Ihr Wesen ist so vielfältig wie die modernen "Bekenntnisse", die KATH.NET Leser und prominente Autoren hier ablegen. Unter ihnen sind die Bischöfe Klaus Küng, Franz-Josef Overbeck, Gerhard Ludwig Müller und Gregor Maria Hanke OSB, ebenso Peter Seewald, Paul Badde, Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, P. Karl Wallner OCist, Gabriele Kuby, Monika Metternich, Barbara Wenz, Dario Pizzano, Christof Zellenberg, Karin Maria Fenbert, P. Engelbert Recktenwald, Konstantin Spiegelfeld, David Ianni, Maite Kelly und eine kleine Auswahl aus hunderten Zuschriften an KATH.NET.


Das Buch möge nachdenklich machen und neue Freude am Glauben und an der Kirche wecken, wünscht Kardinal Kurt Koch in seinem Vorwort. Lesen Sie die "Liebesbriefe an die Kirche" und erfahren Sie mehr von der kraftvollen, lebensverändernden Liebe Gottes zu den Menschen!




Petra Knapp, Roland Noé (Hrsg)
Liebesbriefe an die Kirche
Verlag Kathshop.at
ca. 160 Seiten
978-3-902686-30-5
NUR 9,80 EURO

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Zitat der Woche

"Wenn Menschen gottlos werden,
dann sind die Regierungen ratlos,
Lügen grenzenlos, 
Schulden zahllos, 
Besprechungen ergebnislos; 
dann ist die Aufklärung hirnlos, 
sind Politiker charakterlos, 
Christen gebetslos, 
Kirchen kraftlos, 
Völker friedlos, 
Sitten zügellos, 
Mode schamlos, 
Verbrechen maßlos, 
Konferenzen endlos, 
Aussichten trostlos." 
 
Antoine de Saint-Exupéry

Mittwoch, 21. September 2011

"Leben ohne Sucht - Die zweite Chance" Artikel im Liborius Magazin vom 18.09.2011


"Geistreich" Artikel Liborius Magazin vom 18.09.2011

Dario Pizzano ist Theologe, Buchautor und Bildungsreferent. Er arbeitet in der Erwachsenenbildung und als Diözesanreferent von missio im Bistum Erfurt. Was sich nach einer gut katholischen Karriere anhört, nach einer langen, tiefen Verwurzelung in der Kirche, hat aber eine bewegte Vergangenheit. 


Und das beschreibt die zwei Leben des 36-Jährigen eher vorsichtig. Bis er 31 Jahre alt war, betäubte er nämlich sein Dasein mit Alkohol, mit Drogen, ließ nichts aus. Pizzano war ein Playboy, sein Alltag kreiste um Sex, Partys, um das wilde Geschäft des Eventmanagements. Ein Zampano auf den verschiedensten Bühnen, einer, der mit Kirche gemeinhin nicht viel am Hut hat. 

Aber dann, am 25. November 2005 begegnete ihm Gott und danach brach er radikal mit seinem bisherigen Leben. „Meine Existenz war selbstzerstörerisch“, erzählt er, „ich war immer auf der Suche nach Liebe, fand sie aber nie. Bis ich sie bei Gott entdeckt habe.“ Dario Pizzano schrieb seine Geschichte aus therapeutischen Gründen auf und aus dem Report wurde ein Buch (Exzess. Meine zwei Leben. Pattloch, 16,99 Euro). 

Darin erzählt er, wie er im Eichsfeld aufgewachsen ist, die Mutter Deutsche, der Vater Italiener, berichtet von seiner jugendlichen Wildheit, der Egozentrik als Erwachsener, dem Gotteserlebnis. „Exzess ist keine nette Hallo-Mister-Gott-Plauderei“, rezensiert damals die „Tagespost“, „sondern das schonungslose Bekenntnis eines Mannes, der bis zum Exzess gelebt hat - und plötzlich eine zweite Chance bekommen hat.“ 

November 2005. Pizzano sitzt im Auto und ist bereit, alles loszulassen. Das Lenkrad, sein Leben, alles. Warum er in dieser Situation plötzlich sagt „Mein Gott, ich kann nicht mehr“, kann er bis heute nicht so richtig erklären. Er fühlt jedenfalls, dass jemand seine Worte hört, er prallt zurück, ist wie geschlagen, sein Geist, seine Seele wird berührt. Schreibt er. „Werde ich verrückt?“, fragt er sich. Aber da ist diese unbändige Liebe, die ihn durchdringt, er empfindet unendliche Kraft und Sanftmut, hält das Auto an, steigt aus, öffnet die Tür, schöpft frische Luft.

„Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.“ Dario Pizzano mag diese Stelle. „Weil Jesus in dem Gleichnis all jene provoziert, die glauben, alles von Gott zu wissen“, sagt er. „Jene, die sich vor Gott als gerecht sehen.“ Genau diesen aber spreche er in einer Radikalität das Recht ab, in das Reich Gottes einzutreten. 

Nicht diejenigen, die auf alles eine Antwort haben, nicht die, die fromm daherreden, nicht die, die den Nächsten in seiner Not mal eben übersehen kommen in das Reich Gottes. „Nein, dann schon eher die Zöllner, Dirnen und Sünder. Leute, die um ihre Schuld, ihre Not und krumme Biographie wissen.“ Leute wie er. Menschen, die tief in ihrem Inneren spüren, dass sie nicht in der richtigen Ordnung leben, in sich keinen Frieden verspüren. 

Tatsächlich kenne er jede Menge Menschen, die gegen die Wahrheit leben würden, denen völlig bewusst sei, dass sie etwas vermissen, dass ihnen etwas Wesentliches fehlt. „Doch gerade diesen sagt Jesus in dem Evangelium, dass er sie liebt, dass sie bei ihm ankommen.“ Denn wer ihm in seiner Not begegne, sehe sich mit einem Mal selbst in völlig neuem Licht.

Wer sich mit Dario Pizzano unterhält, spürt in jedem Satz, in jedem Wort, dass er von der Existenz Gottes felsenfest überzeugt ist. „Ich kann tatsächlich mit ihm sprechen wie mit einem Vater“, erzählt er. „Es besteht eine tiefe, innige Freundschaft mit Jesus Christus.“ Das sei ein Wunder, keine Frage, und er wisse nun, warum er früher beinahe an innerer Einsamkeit implodiert wäre, als er Gott noch nicht kannte.

„In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriester und den Ältesten des Volkes: Was meint ihr?“, lässt der Evangelist Jesus fragen. Pizzanos frühere Freunde hielten ihn nach seiner Wandlung für verrückt und meinten: „Jetzt macht er mal einen auf heiligen Franziskus vom Eichsfeld. Danach vielleicht noch mal ins Dschungelcamp!“ Einige haben ihn kopfschüttelnd verlassen, doch die meisten erkannten, dass er es ernst meint. Spätestens nachdem er sich firmen ließ und begann, Theologie zu studieren, als er nichts mehr von dem wissen wollte, was ihn früher antrieb. „Heute lacht von denen keiner mehr, manche sind sogar selber Christen geworden“, sagt er.


Wer sich wirklich zu Gott bekenne, dem Gott, der für ihn die Liebe ist, könne gar nicht anders, als alles stehen und liegen zu lassen und zu ihm umzukehren. „Wer zu Gott Ja sagt, sagt zur Sünde Nein“, ist er überzeugt. Aber: „Klar ist auch, dass Jesus das Verhalten der Zöllner und Dirnen nicht gut heißt, zumal er sagt ,Geh und sündige von nun an nicht mehr‘. Doch er verurteilt niemanden, der aufrichtig und mit zerknirschtem Herzen vor ihm steht.“ 

„Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg“, steht im Evangelium. Und weiter: „Er antwortete: Ja, Herr! ging aber nicht. Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch.“ 

Jesus hält nichts von Opportunismus, schon gar nicht von der frommen Sorte. Jene, die oft medienwirksam „zu ihren Fehlern stehen“, daraus aber - anders als etwa Dario Pizzano -  keine Konsequenzen ziehen. Jesus möchte gerade nicht, dass wir bei unseren Schwachheiten stehen bleiben. Und so interessiert ihn an den Zöllnern und den Huren und all den vielen Pizzanos dieser Welt, allen Menschen, nicht die Größe und Offensichtlichkeit ihrer Unmoral, sondern die Bereitschaft zur Wende. Insofern ist dieses Gleichnis im Matthäus-Evangelium die dringende Bitte des Jesus von Nazareth, mit ihm Gott und seine Barmherzigkeit ins Spiel kommen zu lassen, und zwar dort, wo wir gerade stehen im Leben. 

„Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt“, schreibt der Evangelist. Heißt das, dass es nicht so wichtig ist, was man sagt, sondern dass am Schluss nur zählt, was man tut? Denken und handeln aber nicht gerade so die Hohenpriester und die Pharisäer, die ja auch genau wussten, dass sie das Richtige tun? Oder tun sie, wie Jesus meint, für das Richtige das Falsche? Es kommt also auf die Haltung an, bei der das zählt, was man tatsächlich tut. Was mit Reue zu tun hat („Später aber reute es ihn, und er ging doch“). 

„Ich finde es wichtig zu erkennen, dass die Entscheidung für ein Leben mit Gott nicht nur eitel Sonnenschein ist, sondern eine Begegnung mit der Wahrheit“, sagt Dario Pizzano. „Das ist mehr als nur ein Wohlfühlgott. Die Wahrheit kann auch mal weh tun. In meiner schwierigsten Zeit hat Gott mir vor Augen geführt, dass ich seine Vergebung nicht nur anzunehmen habe, sondern dass ich sie auch weitergeben muss.“ Er habe ihm deutlich gemacht gemacht, wie er sich schuldig an anderen Menschen gemacht habe, was einen wesentlichen Teil zu seiner späteren Berufung beitrug. 

Heute ist für den dreifachen Vater das Wichtigste die Kommunikation und das Vertrauen. Weil man einfach viel zu wenig miteinander rede, auch zu wenig über Gott. „Je mehr er aber aus unserem Leben verschwindet, desto weniger verstehen und lieben wir uns. Einer seiner Lieblingssätze ist der von Romano Guardini: „Den Menschen erkennt nur wer von Gott weiß.“ Als er ihn vor einigen Jahren zum ersten Mal gehört habe, sei er sehr berührt gewesen von diesen Worten. Weil auch er viele Jahrzehnte ohne das Wissen um Gott gelebt habe, durch eine Welt irrte, die ihn mit ihren Verlockungen und falschen Versprechen in Gefangenschaft nahm. 

„Auch für mich gilt: Erst als ich Gott erkannte, wurde ich Mensch“, sagt er. „Mir wurden neue Augen geschenkt. Ich sah die Welt und die Menschen erstmalig als das an, was sie wirklich sind: Wunder. Geschöpfe und Schöpfung eines Liebenden. Ich durfte mich, wie die Zöllner und die Dirnen, als geliebtes Kind Gottes erfahren.“ 

Im Internet veröffentlicht der Theologe auf dariopizzano.blogspot.com regelmäßig Beiträge über seinen Alltag und seine Erfahrungen mit Christus. Zum Papstbesuch in Deutschland schreibt er dort dieser Tage: „Der Satz von Benedikt XVI. ,Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt‘, höre ich immer wieder in meinen Ohren, wenn ich heute, im Licht des Glaubens erkennen darf, wie sehr Gott auch heute noch, auf unterschiedlichste Weise, Menschen an sich zieht.“ 

Dipl. Journalist Peter Hummel

Donnerstag, 15. September 2011

Artikel Nassauische Presse zur Lesung in Gnadenthal

Der Autor Dario Pizzano signiert seine Bücher nach der Lesung in Gnadenthal.	Foto: Stegemann
Der Autor Dario Pizzano signiert seine Bücher nach der Lesung in Gnadenthal. Foto: Stegemann

"Absturz in den Himmel"

Wie ein Verzweifelter Gott fand

 

In Gnadenthal erzählte Dario Pizzano seine unglaubliche Lebensgeschichte, die er auch in einem Buch verarbeitet hat. Es ist die Geschichte von einem Leben auf der Überholspur, voller Partys, Drogen, Frauen – bis er Gott begegnet.



Hünfelden-Gnadenthal. "Exzess – meine zwei Leben" heißt das Buch von Dario Pizzano. Viele Besucher waren in die Präsenz-Galerie gekommen, gerade auch junge Leute, die gespannt den Erzählungen des Autors lauschten. Alles begann mit einer Diagnose, so Dario Pizzano. "Sie haben einen Infarkt der Seele erlitten, Burnout-Syndrom", lauteten die Worte seiner Hausärztin. Ihr Rat: "Das kann man heilen. Machen Sie sich auf den Weg. Ab sofort machen Sie mal gar nichts mehr." Zwei Jahre vorher war er erst Christ geworden. "Ich dachte: Das kann doch gar nicht sein. Ich hab doch jetzt den lieben Gott in der Tasche . . ." Neun Monate habe er sich daraufhin eingeschlossen und mit seinen Erinnerungen gerungen. Alles, was dabei hochkam, hat er aufgeschrieben. So entstand das Buch. 

Seine Kindheit im niedersächsischen Eichsfeld ist schwierig: Als er drei ist, verlässt sein Vater seine Mutter. Als sie wieder heiratet, bringt der neue Mann Hass und Gewalt in die Familie. Als er neun Jahre alt ist, verändert der Tag, an dem sein Opa stirbt, alles. Dessen Tod zieht ihm den Boden unter den Füßen weg. "Tagsüber hatte ich eine Maske auf, spielte den Strahlemann. War ich allein, haben mich meine Ängste aufgefressen." Den Jungen zieht es zum leiblichen Vater. Eines Tages hält er es zu Hause nicht mehr aus, packt seinen Koffer und geht zu ihm. Der überlässt ihm eine eigene Wohnung über seiner Gastwirtschaft. Da ist Dario 13 Jahre alt. Seiner anfänglichen Begeisterung folgt Ernüchterung: Er ist einsam. Keiner ist da, mit dem er reden könnte. 

Ein neuer Freund tritt in Darios Leben, er ist stets verfügbar, im Keller: Alkohol. Später auch Drogen, Zigaretten, Partys, Mädchen, erotische Abenteuer – immer auf der Suche nach einem Kick.
Nach der Schule macht er eine Ausbildung zum Industriekaufmann, arbeitet als Eventmanager, ist beliebt, erfolgreich. Doch sein Lebensstil fordert Tribut: Er kann nicht mehr schlafen, hat am ganzen Körper Ekzeme, und ihm fallen die Zähne aus. Als er erfährt, dass er ein Kind gezeugt hat, ist er erschrocken, aber es ändert nichts. Als er wieder Vater wird, schnappt die werdende Mutter ihn und macht mit ihm einen kalten Entzug. Am Ende ist er clean, versucht, etwas zu ändern, aber es gelingt nicht. 

Er ist verzweifelt – da geschieht etwas Merkwürdiges: Eine Art Blitz trifft ihn, minutenlang erfüllen ihn Licht, Wärme, Liebe, Freude. Plötzlich weiß er: Es gibt Gott. "Es war ein Absturz in den Himmel. Es war ein Augenblick, der das Licht in meiner Seele anknipste."Sein altes Leben hat er komplett hinter sich gelassen. Dario Pizzano hat Theologie studiert, arbeitet heute im Bistum Erfurt in der Erwachsenenbildung. Er ist verheiratet und vor kurzem stolzer Vater seines dritten Kindes geworden. Auch zu seinen ersten beiden Kindern und deren Müttern pflegt er inzwischen ein gutes Verhältnis.
Dario Pizzano hat seinen Weg, den Sinn in seinem Leben gefunden.
steg
 
Das Buch "Exzess – meine zwei Leben" von Dario Pizzano, erschienen bei Pattloch, ISBN 978-3-629-02242-4, ist im Buchhandel erhältlich. 



Dienstag, 13. September 2011

Presseartikel: Dario Pizzano spricht in der Justizvollzugsanstalt Kleve


Dario Pizzano in der Anstaltskapelle


"Autorenlesung in der JVA Kleve"

Wer unter den knapp dreißig Gästen eine Vorlesestunde erwartet hatte, wurde enttäuscht. Vielmehr erzählte Dario Pizzano aus seinem Leben und ließ kleine Textpassagen seinen Erzählungen folgen. Seine Geschichte ist eine von Trennungen, Verletzungen, Gewalt und Drogen – immer wieder Drogen. Scheidung der Eltern mit drei, erster Stiefvater drogensüchtig, der Zweite auch nicht besser.


Mit dreizehn Einzug in die eigene Wohnung über einem Ladenlokal des Vaters. Der Weg zum Alkohol ist nah. Manchmal trinkt Pizzano schon vor Schulbeginn.Später helfen Amphetamine bei noch stärkerem Alkoholkonsum nüchtern zu bleiben. Nebenwirkung ist Schlaflosigkeit. Aber Mitte zwanzig will er auch nicht schlafen. Schlaflos wird gefeiert und „Insomnia“ von Faithless zu seiner Hymne. Sein Hobby macht er zum Beruf. Er veranstaltet Partys und genießt sich im Rausch. Sein erstes Kind hält den rasenden Zug für einen Moment an. Es scheint, als würde seinem Leben ein Sinn gegeben.

Dann aber geht die Fahrt vor lauter Selbstzweifel und Unsicherheit weiter. Mit Koks zweifelt man nicht an sich. Damit ist man einfach der Größte. Sex, Drugs and Rock n’ Roll. Eine Frau macht ihm eine Ansage, hält ihm den Spiegel vor und schließt ihn ein. Kalter Entzug. Die Nüchternheit bringt Fragen mit sich, die sich mit all dem

Drogenkonsum bislang verdrängen ließen. Wer bin ich? Wo komme ich her? Was soll ich hier? Wo geh ich einmal hin? Was bleibt? 

Pizzano  fängt das Sinnieren an. Buddhismus, Aristoteles oder Platon. Fragen bleiben alle offen. Alkohol verdrängt die Dringlichkeit  der Antworten auf die Fragen, die er innerlich spürt. Pizzano arbeitet wieder in der Gastronomie. Der Laden brummt. Geld fließt wie der Alkohol. Als er bei einem Krankenbesuch durch die Augen seines Großvaters in
den Tod schaut, geht ihm das Leben durch den Kopf. Auf der Rückfahrt geht es um Erwartungshaltungen an sich selbst, an sein Leben. Die Sinnfrage scheint ein Ende zu haben. Ein Endgültiges. Er würde diesem Leben ein Ende setzten. Und nun, da er dem Ende am nächsten scheint,

passiert Wunderbares. Er trifft Gott,  der wie ein heller Blitz in ihn hineinfährt und ihn berührt. Zu Beginn ist es ihm alles etwas viel und der Umgang mit der Erkenntnis fällt ihm schwer. Erst mal musste er überhaupt prüfen, ob das Ganze nicht doch nur ein Flashback war. Die Drogen haben ihm die Zähne faulen lassen und wer weiß, was sie noch alles zerstört haben? 

Es scheint wie eine Fügung, dass der Erste, dem er sich nach der Fahrt anvertraut, ein Priester ist. Er bekommt ein offenes Ohr geschenkt und kann diesem Mann in Emails sein Leben beichten. Dabei erfährt er Befreiung und Seelenfrieden. Sein Leben ändert sich. Er bricht mit allem. Er trennt sich von allem, was er hat, nimmt sich die Ruhe und die Zeit, um zu sich zu finden. Fast ein Jahr braucht er, um seine siebzehnjährige Orgie aufzuarbeiten. Es lohnt sich. Erfüllt vom Glauben spürt er kein Verlangen nach Drogen. Einem Gläschen Wein sagt er deswegen nicht ab, aber Alkohol ist kein Selbstzweck mehr. 

Sein Lebensentwurf ist klar und hat einen Sinn. Sein Stoff ist jetzt der Glaube, der ihm die Antworten auf die Lebensfragen nicht verdrängt sondern Antworten gibt. Rede und  Antwort stand Pizzano dann auch den Zuhörern, die teils nur zu gut verstanden,wovon er sprach.Teils bekamen sie schon vom Zuhören nasse Hände. Und ein offener Dialog entstand.  

Pizzano traf den Nerv und auch die Sprache, um alle zu erreichen. Heute ist Pizzano beruflich für die Kirche tätig, was er vielmehr als Berufung empfindet. Er will anderen mit seiner Geschichte ein Beispiel sein. Dabei macht er aber auch klar, dass jeder den Weg alleine gehen muss.

Für die JVA Kleve war es die erste Autorenlesung, wie es auch die erste Autorenlesung für Herrn Pizzano in einer Justizvollzugsanstalt war. Damals war es Glück, dass er nicht in Strafhaft geriet. Heute ist es sein Glaube, der ihn hinter hohe Mauern führt, um einen Ausblick zu geben.

(HL)

                                

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